Weil’s von zu Hause besser schmeckt …

Ich liebe Kirschen. Am besten im Baum sitzend und die von der Sonne gewärmten, knackigen Kullern auf der Stelle vernichtend. Leider werde ich hier in Köln nicht lange genug wohnen, dass sich das mühevolle und lange dauernde Anzüchten eines eigenen Kirschbaumes lohnen würde. Und genauso bedauerlich ist es, dass in meiner Familie niemand im Juni das Licht der Welt erblickte, sodass ein Heimatbesuch in der Zeit der Kirschen irgendwie in den ohnehin vollen Heimfahr-Fahrplan passen würde. Und Kirschen im Supermarkt kaufen? Niemals! Nirgendwo schmecken Kirschen besser als vom heimatlichen Baum – und unverschämt teuer sind sie auch noch.

Vor ein paar Jahren führte meine Oma die schöne Tradition ein, ein Päckchen zu packen, quasi ein Care-Paket voller Vitamine. Nach anfänglicher Aufregung (Wird mir der Postbote jetzt ein rot tropfendes Matschpaket in die Hand drücken?) kam die Gelassenheit – alles blieb frisch, es hatte fast den Eindruck, dass die Post die Päckchen im Kühllaster transportieren würde. Selbst ein Tag Zustellungsverzögerung tat dem kulinarischen Genuss keinen Abbruch.

Dieses Jahr packten meine Eltern stellvertretend für meine Oma (die im Krankenhaus lag) ein Kirschenpaket – und weil die Kiste eh so groß war und so viele Kirschen ja eh nicht verwertet werden können, wurde es ein 5-Kilo-Paket. In Gedanken sah ich schon alle meine Freunde auf meinem Balkon sitzen  und Kirschkern-Weitspucken veranstalten. Doch diesmal klingelte kein Postbote, lag kein orange leuchtender Abholschein im Briefkasten. Nach 5 Tagen wurden Sender und Empfänger dann doch nervös. Aber nein, meine ältere Nachbarin hatte noch kein Matschpaket für mich entgegengenommen, mein Postamt hatte diesmal nix hinter den Schrank fallen lassen, und das heimatliche Postamt hatte alles ordnungsgemäß verschickt.

Doch entgegen unseren Vermutungen haben wir keinem diebischen Postboten unfreiwillig eine Kirschenladung beschert – genau eine Woche später kam die Post. Das Päckchen landete wieder in Starbach. Als Matschpaket. Nach einer kurzen Reise nach Köln (das war im System der Post auch so festgehalten) hatte es sich schnell wieder auf den Heimweg gemacht.

Der zweite Versuch war dann erfolgreich. Stolz wie Bolle trug ich das Vitaminpaket nach Hause. Jetzt sind sie schon lange aufgegessen, und ich habe mir überlegt, nächstes Jahr doch einen Kirschkern in die Wiese vor dem Haus zu stecken. Die Nachbarschaft wird’s freuen.

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