Mann müsste man sein …

… dann wäre so vieles einfacher.

„Was zieh ich nur an???“ Wenn Frauen … oder ich will mal nicht pauschalisieren … wenn ich so weit bin, dann ist das schon fast die Einbahnstraße zu einem neuen Outfit-Fauxpax auf den letzten Drücker. Ich möchte beim besten Willen nicht behaupten, nix im Schrank zu haben … aber wenn es um solche speziellen Anlässe geht wie eine Hochzeit, dann stehe ich am Rande der völligen Ratlosigkeit. Und am Samstag bin ich auf eben einem solchen Fest eingeladen.

In einer spontanen Entschlussfreudigkeit habe ich mir vor ein paar Wochen eine schicke Hose gekauft. Weil ich mich nicht für einen Rock-/Kleidtypen halte. Nun befürchte ich, mit dieser Hose und vielleicht noch einem BH am Freitagmittag dazustehen und nix dazu zu haben. Nicht dass es an einer Idee mangeln würde, aber die Umsetzung dieser Idee gestaltet sich aus logistischen Gründen als nicht realisierbar – die Designer der Saison hatten nämlich dummerweise nicht dieselbe. Und mit einer halbherzigen Notlösung, fürchte ich, wiederholt sich das Tanzstundenabschlussball-Debakel, und das sticht mir immer noch in den Augen, wenn ich in Omas Erinnerungsfotos-Regal schaue.

Nun habe ich das Glück, „Deutschlands beliebteste Einkaufsstraße“ (wobei ich persönlich diesem Urteil nicht zustimmen kann) in viertelstündiger Reichweite zu haben – und bin heute in jedem Laden gewesen und habe Fummel ohne Ende anprobiert. Ohne Erfolg.

Bei meinem panisch angehauchten Stadtbummel habe ich mich nun unglücklich verliebt – blöderweise in ein Kleid, das 1. eben ein Kleid ist (und wie gesagt, ich bin eigentlich nicht der Kleidertyp), 2. kein Schnäppchen ist, 3. meine bereits gekaufte Hose überflüssig macht und 4. an der zierlichen Verkäuferin (die trug’s nämlich, sonst wäre es mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen) ganz hinreißend aussah, einer unweiblich untaillierten Figur wie der meinen sicherlich nicht so schmeichelt. Blöderweise hab ich mir nicht getraut, es anzuprobieren, das Verkaufspersonal neigt in dem Laden zu umsorgender Kundenbetreuung, und ich erschrecke lieber heimlich, still und leise für mich alleine in der Umkleide. Ich werde mich wohl oder übel der Herausforderung stellen müssen und entweder die letzte Hoffnung begraben – oder eben die Kreditkarte überstrapazieren.

Aber hey, dann kann ich vielleicht in 50 Jahren immer noch gerne in mein Fotoalbum schauen …

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Fremdschämer

Ich bin zutiefst betroffen von den Geschehnissen der letzten Tage in meiner Heimat. Damit meine ich diese Typen, denen bestimmt egal ist, dass kleine kambodschanische Mädchen ihre T-Shirts handgenäht haben, auf denen dann hässliche Sprüche und Zeichen prangen und die  gern ihre Mitbürger für all ihr vermeintliches Unglück verantwortlich machen, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben und das mit dem sächsischen Dialekt noch nicht ganz so draufhaben. Dafür schäme ich mich fremd. Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen. Und auch ein vermeintlich witzig gemeintes „Warum macht IHR so was?“ von Kollegen kann ich nicht witzig finden.

Und ich finde es traurig, was  die Medien in den letzten Tagen für ein trauriges Bild von meiner Heimat, dem ganzen Sachsenländle und den neuen Bundesländern im allgemeinen zeichnen. Traurig vor allem, weil ich nicht einschätzen kann, ob ich meine Heimatbesuche nicht mit der rosaroten Brille verbringe. Jedenfalls ist mir weder in meinem Heimatdorf, dem nächsten Städtchen und auch in Dresden in den letzten Jahren nie ein glatzköpfiger, angsteinflößender Mensch begegnet – und ich kriege generell schnell vor Menschen Angst und beobachte auch sehr gerne die Menschen in meiner Umgebung. Oder gibt es da neue Erkennungsmerkmale? Oder sprechen mich meine mir nahestehenden Menschen nicht auf eventuelle Schuldzuweisungen gegenüber Nichtdeutschen an, weil sie insgeheim Angst haben, ich würde mich hier in Köln in multikulturellen, vielleicht militant eingestellten Kreisen bewegen?

Wenn man diversen großen Onlinemedien glauben darf, dann müssen Menschen mit einem dunkleren Teint in den neuen Bundesländern in Todesangst leben und jeden Moment damit rechnen, ein brennendes Geschoss übergebraten zu kriegen. Und sicherlich kommen ausländerfeindliche Übergriffe erschreckend oft und vorwiegend im Osten vor, sie sind aber ganz bestimmt nicht überall und immer an der Tagesordnung. Ich denke da nur mal an den netten vietnamesischen Obstladen in Nossen, was ja sicherlich mit zum angeprangerten Gefahrengebiet gehört.  Und wenn man ein Interview mit dem mittlerweile versteckt lebenden Opfer führt, muss man ja nicht unbedingt gerade in der ersten Zeile erwähnen, wo man sich getroffen hat, auch wenn der Name der fast einzigen Kneipe in Döbeln, die bei jungen Menschen  beliebt ist, wirklich sehr nett klingt. Ist ja nicht so, als sei die fast einzige Kneipe im Ort nicht über die Stadtgrenzen von Döbeln hinaus bekannt.

Genauso dämlich finde ich die täppischen Versuche des Mügelner Bürgermeisters, den Ruf seines in den Schmutz getretenen Städtchens zu retten. Wenn man erst jeglichen Rechtsradikalismus im Ort vehement bestreitet und zwei Tage später laut tönt, dass ausländerfeindliche Parolen doch heutzutage üblich sind und doch wirklich nicht ernst zu nehmen und wer-behauptet-noch-nie-so-einen-spruch-gehört-zu-haben-der-lügt, dann möchte ich  dem Herrn gerne mal zu einem Stadtbummel durch Köln-Mülheim mitnehmen und ihm zeigen, wie normal woanders in Deutschland mit einer multikulturellen Gesellschaft umgegangen wird und wie viel Spaß das machen kann.

Was für ein schöner Tag

Ich liebe Donnerstage. Besonders den heute. Eine nervtötende Arbeitswoche ist vorüber (naja, bis auf Samstagabend, aber das ist nur eine kurze Ausnahme). Die Sonne scheint. Auf meinem Balkon schnuppern Rosen und Lavendel was das Zeug hält. Gleich geht’s in Sport, die verkümmerten Muskeln herausfordern. Und als Highlight und attraktiver Ausklang des Abends flimmert pünktlich 23.15 Uhr „Prison Break“ auf der Leinwand. Bis jetzt konnte ich mich nicht wirklich als Serien-Junkie bezeichnen, hat mich kein Mehrteiler so gefesselt, dass ich verpasste Folgen unbedingt aufnehmen musste, aber das hat sich aber gründlich geändert, seit dieser Blick mich traf:

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