Prosecco-Girlgroup

Ich muss ja zugeben, dass ich als Kind sehr gerne musiziert habe. Ganz fleißig habe ich ein Instrument nach dem anderen gelernt, was dann im Ergebnis ein mindertalentiertes Musikerleben im Kirchenchor und mit Gitarre- und Keyboardauftritten auf Rentnerweihnachtsfeiern ergab. Als Highlight möchte ich hier erwähnen, dass ich bei „Jugend musiziert“ als Leadsängerin unserer Gitarregruppe „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da“ performen durfte. Irgendwann war ich dann sehr erleichtert, als meine Eltern fanden, dass ich nichts mehr dazu lernen kann und mich doch lieber voll und ganz aufs Abi vorbereiten solle. Musikinstrumente wurden zeitweilig an Bekannte verborgt, die sich davon versprachen, der Frauenwelt mit romantisch auf der Gitarre begleiteten Liebesliedern zu imponieren. Musik wurde viel lieber gehört und allenfalls wurde im Auto oder unter der Dusche laut und falsch mitgesungen. Um Karaokebars mache ich nach erstem Herantasten lieber einen großen Bogen …

Soviel zu dem, was bisher geschah. Gestern abend wurde aus einem geplanten Mädels-Ausgeh-Abend kurzerhand ein Spieleabend – und aus dem kurzerhand ein „Singstar“-Abend. Mit gemischten Gefühlen ging ich nach der Arbeit da hin, konnte mich aber nicht drücken, schließlich hatte ich das gemeinschaftliche Geburtstagsgeschenk für Kerstin dabei. Empfangen wurde ich von meinen bereits betütelt giggernden Freundinnen, die laut – und ähnlich begabt wie ich – ins Mikrofon trällerten. Und was soll ich sagen? Es hat riesigen Spaß gemacht! Gut, vielleicht nicht unbedingt das „S.O.S.“ von Rihanna, das war dann doch ein bisschen zu schnell bzw. wir zu text-unsicher, aber ansonsten ist „Singstar“ das pure Vergnügen. Als wir uns dann im nachhinein noch mal auf Band anhörten, waren wir zwar froh, in entsprechender Sekt-Laune zu sein – aber immerhin waren wir auf der Skala der Sangeskünste bei dem Spiel von Anfang an über dem Level „Nichtskönner“ hinaus – und nur ganz selten im Bereich „Möchtegernsänger“. Und wie heißt es so schön: Übung macht den Meister ;-).

Advertisements

Cocooning

Aus dem Schlafzimmer höre ich Kampfszenen eines Egoshooters, mich nervt heut schon das Rauschen meines Laptops, ich mag keine Buchstaben auf leuchtenden Bildschirmen sehen. Nein, mich erwartet ein ganz anderes Glück: ein Glas Rotwein, die gemütliche Couch, meine Kuscheldecke und ein Buch. Und nein, keins vom großen Stapel der Wissenschaften, die sich hier um mich türmen – sondern ein Schönes, ein Schöneres als die anderen Schönen! „Die Habenichtse“ wird ab etwa Seite 100 richtig schön, man beginnt die Protagonisten zu mögen und malt sich die Welt, in der sie hinter der nüchternen Sprache des Buches leben, ganz allein.

Eigentlich muss mir bis morgen noch ein sensationeller Titel für meine Magisterarbeit einfallen, ein un-langweiliges Wortspiel mit „Second Life“ soll es sein, das vor dem „Instrumente erfolgreicher Unternehmenskommunikation in Second Life“, aber wie gesagt – bis morgen. Gute Nacht!

„Gefährliche“ Ablenkung

Nach einem sehr erfolgreichen Schreibtag gestern (ich hoffe übrigens, ich werde diesbezüglich meine Ansprüche bald hochschrauben, sonst wird das nix mit Anfang Januar) haben wir uns mit einem Kinoabend belohnt. „Gefahr und Begierde“ – wenn das keine Ablenkung versprechen sollte!  Also direkt vom ungemütlichen Bibliotheks-Hocker rein in den Kinosessel…

Der Film spielt in den 40er Jahren, die Japaner besetzen China und eine Gruppe von Studenten revoltiert gegen die in ihren Augen verräterische Regierung. Ihr Plan: Sie wollen an einen Regierungsbeamten ran, um ihn im richtigen Augenblick abzuknallen und damit ein Zeichen zu setzen. Und wie kommt man an einen mächtigen Mann ran, der Tag und Nacht viele Leibwächter um sich hat? Richtig, man setzt ihm eine schöne Frau vor die Nase. Also wird aus dem grauen Mäuschen Wang die kokettierende, damenhafte Femme Fatale, und das verführerische Spiel nimmt seinen Lauf …
Wir saßen in den Kinosesseln und waren 2 1/2 Stunden absolut hingerissen. Immer wenn man dachte: Jetzt hat er angebissen, schien er das Spiel zu durchschauen, und immer wenn man dachte: Jetzt hat sie ihr Herz an ihn verloren, blitzte in ihren Augen wieder diese entschlossene Härte auf. Ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem nie so ganz klar ist, wer jetzt die Katze ist und wer die Maus. Für einen Film mit asiatischen Schauspielern ungewöhnlich leidenschaftlich und „nackig“ ab und zu, aber immer sehr, sehr hinreißend.
Und dann kam ich nach Haus und wurde ernüchtert – Herr Schmidt und sein Pausenclown waren wirklich peinlich. Oder fand das irgendjemand lustig???

Der Countdown läuft …

Am Freitag habe ich die Stoppuhr gestartet: Ich habe mich beim Magisterprüfungsamt angemeldet. Erstaunlicherweise war die als prototypischer „Verwaltungsdrache“ bekannte Zuständige sehr umgänglich! Gut, ein Lächeln kam nicht gerade über ihre Lippen, aber mein Zahnpastagrinsen schmelzte sie wohl ein wenig, außerdem hatte ich meine 10 Antragsformulare in der richtigen Reihenfolge geordnet … und ich glaube, sie hatte ihre Aggressionen bereits an dem armen redseligen Philosophiestudenten vor mir abgelassen.  Jetzt werde ich brav jeden Tag meinen Laptop mit in die Bibliothek mitnehmen (da ist die Versuchung hoffentlich kleiner als zu Haus, die Spider-Solitär-Sucht auszuleben) und die vielen wirren Gedanken im Kopf zu „Papier“ bringen, die 80 Seiten sollen beweisen, dass ich wissenschaftlich arbeiten kann – und für’s Ego und die Zukunft möchte ich auch fertig werden, bevor die Stoppuhr abgelaufen ist.

Schmetterlinge im Bauch sind zwar etwas schönes – wenn sie aus Angst aufgescheucht herumschwirren, sind sie eher lästig.  Denn irgendwie hat sich der Schwarm auch in meinem Kopf ausgebreitet und sorgt für Aufruhr. Viele andere Sorgen schwirren  im Oberstübchen herum, die absolut zur falschen Zeit kommen und eigentlich auch gar nicht da hingehören. Grrrrrrrr!!! Von wegen, Frauen und multitasking-fähig … Nun ja, ich werde  jetzt meditierenderweise meine Gelassenheit suchen. Wünscht mir Glück!