K.o.

Übers Wochenende haben wir Wii zu Besuch. Als ich gestern von der Arbeit heimkam, fand im Wohnzimmer schon ein Baseball-Match statt. Da ich die Spielregeln von Baseball sowieso nicht beherrsche, fand ich es nicht so prickelnd. Da standen kleine Trickfilmfiguren, die – gesteuert von den Jungs – Bälle warfen und mit Schlägern dagegen warfen. Dann hüpften die übrigen Trickfilmfiguren auf dem Spielfeld dem Ball hinterher. Naja.
Fürs Boxen war ich schon eher zu haben. Viel mehr Action, da muss man wenigstens auch was tun für den Sieg. Und der war glorreich – ich schlug zwei Männer k.o.! Vielen Dank an der Stelle an Stephan, meinen Ex-Trainer aus dem TaeBo-Kurs 😉 Ganz toll ist auch das Snowboard-Spiel – da hab ich schon beim Zuschauen die Hüften schwingen lassen und die Luft angehalten bei der Rechtskurve. Auch wenn ich solche „immersiven“ Grafiken meist recht albern finde, hatte ich bei dem Spiel wirklich das Gefühl von Fahrtwind um die Nase, von Adrenalin bei einer waghalsigen Kurve und hätte am liebsten einen kleinen Schrei beim Flug über die Bergkuppe losgelassen.  Trotzdem hoffe ich, dass auch unseren Kindern schneereiche Winter vergönnt sind und sie nicht bei 20 Grad Wohnzimmertemperatur die schneeweißen Berge runterjagen müssen. Ich für meinen Teil freu mich schon auf den Januar, wenn ich nach vollendeter Magisterarbeit irgendwo auf meinem himmelblauen Brett die Pisten runterjagen kann …

Gerührt

Ich kenne keinen der Charaktere. Weder die Rollen noch die Beziehungen der Figuren untereinander kann ich zuordnen. Ich weiß zwar, dass es um ein Krankenhaus geht und bekomme recht schnell mit, dass die Ärzte untereinander befreundet sind oder sich hassen oder sich lieben. Aber wenn ich im Wartezimmer beim Arzt die Gala durchblättere, sind mir die Gesichter der Grey’s-Anatomy-Schauspieler gänzlich unbekannt. Eben von der Uni heimgekommen, bin ich beim Reinzappen mitten drin in den emotionalen Spannungen. Und zwar so schnell und mit so einer Wucht, dass ich nach 2 Minuten seufzend da sitze, weil nun mal jede weibliche Neurose am besten durch einen unverhofften Kuss von einem schönen Mann in die Flucht behandelt werden kann. Und während der letzten 10 Minuten, die ich noch von der Folge mitbekomme, heule ich wie meine Mutti bei „Die Dornenvögel“. Als die schöne Rothaarige dem frechen und gutaussehenden Typen (der von dem eben beschriebenen Kuss) sagt, dass sie kein Interesse hat. Als der Vater der Hauptdarstellerin eine Ohrfeige gibt, als sie ihm sagen muss, dass die Not-OP seiner Frau, ihrer Mutter, nicht erfolgreich war. Als er ihr vorwirft, dass er ihr vertraut habe und dass sie ihm versprochen hatte, dass alles gut werden würde. Als sie sich daraufhin bei ihren Freunden betrinkt und ihr (Ex)-Freund traurig draußen am Fenster steht und das Gefühl hat, nicht von ihr gebraucht zu werden.

Auch wenn ich viele Serien zumindestens zeitweilig mehr oder weniger regelmäßig anschaue – Grey’s Anatomy gehörte bisher noch nicht dazu. Ja, ich höre schon von den obligatorischen Mädels-Abenden am Mittwoch und von den Schwärmereien für Patrick Dempsey, aber ich hatte bei den vorherigen Staffeln noch nicht einmal Lust, wenigstens einmal hineinzuschauen. Das Grey’s-Anatomy-Drama jedesmal erschreckt mich. Liegt’s an fehlender Dramatik in meinem Leben? An den Auswirkungen trockener Uni-Vorlesungen? An fehlendem Sekt (der bei den Mädelsabenden obligatorisch dazugehört, hab ich mir sagen lassen)? Oder ist die Serie tatsächlich so gut? Ich werde das beobachten. Und mich vielleicht mal bei diesen Mädelsabenden einladen ….

Kleine Einkaufsfreuden

Bibliotheken sind kalt. Besonders wenn ich mir hier die verkeimten und garantiert undichten Fenster vor meiner Nase anschaue. Natürlich um mich nicht zu unterkühlen – und nur deswegen – hab ich eine Lesepause eingelegt und bin in die Stadt gefahren, um einen Schal zu kaufen. Nicht dass bei mir zu Haus nicht schon schätzungsweise 10 Stück rumhängen … es ist nur so, dass ich keinen habe, der nicht fusselt UND wärmt.

Gut, soviel zu meiner inneren Rechtfertigung, warum ich loszog. Und gleich im ersten Laden fiel mir DIE Rettung aus der jämmerlichen Welt der Röhrenjeans ins Auge – eine richtig weite, schick dunkelblaue Hose. Grundsätzlich probiere ich ja alle Sachen an, die ich schick finde, denn die meisten davon sehen angezogen eh dämlich aus und ich freue mich hinterher immer, dass ich jetzt kein Geld ausgeben muss 😉  Blöderweise ist die Hose so ziemlich genau das, wonach ich schon eine Weile suche. und blöderweise war mir die Verkäuferin ganz sympathisch, weil sie nicht gleich los kreischte. Nein, wir fingen an zu plaudern. Sie hatte nämlich so ne doofe Röhrenjeans an, aber nicht weil sie ihr so gefällt, sondern weil’s zum Dresscode gehört. Und während ich sie so bedauerte und ihr verklickerte, dass ich sie heute NICHT kaufe, weil mein monatliches Budget ausgeschöpft ist, steckt sie mir nen 15-Euro-Einkaufsgutschein zu. Weil da eben grad so ne Aktion läuft, bei der ich so nen Gutschein bekommen würde, wenn ich für einen Betrag einkaufen würde, den ich mit dieser Hose noch nicht erreiche. Damit ich mich dann umso mehr freue, wenn ich die Hose demnächst kaufe. Noch nie bin ich so glücklich OHNE Einkaufstasche aus einem Laden gegangen. Auch ne Kundenbindungstaktik, ich weiß, aber eine ganz umwerfend nette.

Jetzt sitz ich wieder in der Bibliothek und bin motiviert für den Endspurt…

Vorfreude

Von Schoko-Weihnachtsmännern im September halte ich gar nicht viel. Wohl aber von vorgezogenen kleinen Ritualen. Besonders wenn es draußen kalt, dunkel und ungemütlich ist und so langsam höchste Zeit, dass die Lichterketten für ein bisschen Wärme im Herzen sorgen. Und weil ich mich schon wie ein kleiner Schneekönig freue, hier bald unter’m Herrenhuter Weihnachtsstern am Rechner zu sitzen, zieht grad in dicken Schwaden der erste Räucherkerzchen-Duft an meiner Nase vorüber. Da muss der Liebste jetzt durch – der mag Räucherkerzchen nämlich ganz und gar nicht.

Multitasking-Chaos

Jetzt sitze ich hier, grad von der Arbeit heimgekommen, freue mich auf Prison Break – und ertappe mich selbst dabei, wie der Laptop schon wieder auf meinem Schoß brummt. Multitasking ist Mist, lieber eins zelebrieren und das umso mehr genießen. Schließlich hat man schon die ganze Zeit auf der Arbeit versucht konzentriert schnell zu sein, obwohl nebenher Musik läuft und der liebe Kollege auch noch unterhalten sein möchte. Schluss jetzt, ich konzentrier mich jetzt voll und ganz auf die Jungs auf der Mattscheibe – Tee trinken nebenbei lenkt jedenfalls nicht so sehr ab.

In diesem Sinne, Gute Nacht!

P.S.: Omama gehts gut, hat alles überstanden und darf jetzt ganz in Ruhe genesen.

Daumen drücken

Sie ist eine herzliche Frohnatur. Sie schreibt Briefe wie keine andere – einmal im Monat bekomme ich einen mit immer tip-top Schönschrift, immer dem selben Inhalt und mit bunten Blümchen beklebt. Sie macht gerne Witze, die nicht immer gesellschaftsfähig sind. Sie liebt Menschen um sich herum und telefonierte manchmal bis in die Nacht. Sie hat früher immer fast ungenießbar fettig, aber mit viel Hingabe und Liebe gekocht. Wenn in den stürmischen Wintern meiner Kindheit das Heimlaufen von der Bushaltestelle fast unmöglich war, kam sie mit einer Decke, huschelte mich ein und brachte mich sicher nach Hause. Sie hat alle ihre ollen Gardinen zusammengepackt und zu mir nach Köln geschickt, weil sie Angst hatte, dass Nachbarn mich vielleicht einmal nackig sehen. Sie ist die beste Oma der Welt.

Jetzt gleich liegt sie unter grellem Licht, auf einem kalten OP-Tisch und bekommt ihre Niere entfernt. Ich drück ganz fest die Daumen, dass alles gut geht.

Liebes Leben – Liebesleben

Ja’ara (Foto: x-verleih)

Dies soll weder eine Lobhuldigung an mein Leben sein noch möchte ich die Suchmaschinen dieser Welt herausfordern … Nein, gestern abend hatte ich das wundervolle Erlebnis, an der Kinopremiere von „Liebesleben“, Romanverfilmung eines ganz außergewöhnlich krassen Films und Maria Schraders Regiedebüt, teilzunehmen. Ich habe das Buch vor ein paar Jahren gelesen, und auch wenn ich nicht so viele Details aus Büchern behalte – beim Gedanken an „Liebesleben“ war immer noch die zerrissene Grundstimmung der jungen Protagonistin Ja’ara präsent, die nicht nachzuvollziehende bedingungslose Hingabe an einen alten Mann und dessen Demütigungen und Distanz. Und ich liebe Maria Schrader, mir wird jedes Mal um’s Herz ganz warm, wenn ich einen ihrer Filme sehe und ihre Stimme höre. Es versprach also, ein netter Abend zu werden.

Die Premiere war wirklich sehr, sehr aufregend. Da führte der rote Teppich ins Cinenova, überall waren große Fernsehkameras und Richtmikrofone, vor denen man sich verstecken musste. Das große Schaulaufen und Blitzlichtgewitter war weniger spektakulär als vermutet – die Fernsehteams nahmen den kompletten Platz davor ein und verständigten sich mit seltsamer Zeichensprache mit den Stars. So schlürften wir Mädels lieber unseren Sekt und sicherten schon mal Plätze im Kinosaal. Der Film selbst sprach in sehr viel schöneren Bildern als sie das Buch vermittelt, hatte aber auch so einige Schockmomente, bei denen man eigentlich schnell wegsehen möchte, weil man sich selbst plötzlich sehr voyeuristisch vorkommt. Der alte Mann, ein alter Freund der Eltern, hat im Film einen ganz eigenen Sex-Appeal, der ihm im Buch gänzlich abgesprochen wird – er ist eben der Prototyp eines Bösewichts, auf den Frauen dann doch immer wieder fliegen: egoistisch, von sich überzeugt und wenig einfühlsam. In einem Punkt wurde Ja’ara dann doch eine von uns: Sie steht kurz vor ihrer Magisterarbeit und ihre Suche ist ein Stück weit auch Ablenkung von dem, worauf es eben gerade ankommt …

Im Anschluss an den Film kamen die üblichen Lobgesänge, begonnen vom Produzenten, der schnell an Maria Schrader abgab. Hatte ich übrigens schon erwähnt, dass ich Maria Schrader liebe??? Zuckersüß stand sie da oben, eine Mischung aus mädchenhaft und mütterlich, hatte mit Tränen der Freude und Erleichterung zu kämpfen und herzte und kuschelte alle – das Filmteam vom Kölner Dreh, den Produzenten, den Kameramann, zwei der Schauspieler und und und …

Beim Rausgehen schlüpfte dann Maria Schrader vor uns in die Schlange nach draußen. Verhängnisvoll, wie sich herausstellte: Direkt vor dem Ausgang stand nämlich das ZDF und hielt voll drauf. Hmmmm, ich hoffe wir fallen nicht auf, wie wir da grinsend aus dem Bild schleichen. Im Foyer gabs dann noch Getränke und Häppchen, alle Beteiligten waren erleichtert und quasselten durcheinander und wurden albern – wie der Produzent des Films, der aus Versehen in meine Kapuze aschte und dann mit dem Kameramann kichernd versuchte, heimlich das Malheur zu beseitigen. Zum Abschluss bekam dann noch jeder das Buch geschenkt. Und weil ich mich nicht getraut habe, gestern abend Maria Schrader auf die Schulter zu klopfen und zu sagen „Toll gemacht!“, tu ich’s jetzt und hier: Maria Schrader, das ist ein ganz wunderschöner und sehr beeindruckender Film, der dir da gelungen ist.

Unterhaltsame, graue Theorie

Vorlesungen am Mittwochabend von acht bis zehn,  während man sonst um diese Zeit gemütlich mit einem Tee auf der Couch Serienabende zelebriert, erfordern schon eine gewisse Willenskraft. Gestern war meine Motivation, einmal den Mann, durch dessen Bücher ich mich gerade quäle dessen Bücher ich gerade durcharbeite, live zu erleben. Gut, ich hatte schon einmal einem Vortrag von ihm beigewohnt, aber das ist schon ne ganze Weile her. Gestern war ich dann – mal wieder – fasziniert, dass Theoretiker so einen subtilen Humor besitzt. Ich besitze leider nicht die Gabe, mit grauen Theorien zu jonglieren, ich suche immer die konkrete Anwendung im „wirklichen Leben“, aber der Vortrag zur Soziologie des Spiels und deren gesellschaftliche Entwicklung war keine Minute langweilig.  Vieles, was mir als vermeintlich leere Phrasen im Kopf herumschwirrte, wurde mit einem Aha-Effekt versehen.

Ein bisschen erschrocken war ich dann, als er nach der Vorlesung auf mich zukam und meinte „Sie sind doch die Frau soundso , oder?“ Okay, er hatte mal bei uns an der Uni einen Lehrauftrag und ich hab damals im Sekretariat gearbeitet, aber das ist so lange her, von solch einem Gesichter- und Namensgedächtnis war ich ganz schön verblüfft. Es ist ja nicht gerade so, als hätte ein Lehrender nicht ständig neue Gesichter um sich. Und wenn man schon mal denjenigen vor sich hat, der einem den ganzen Mist mit den Cyberspace-Theorien verzapft hat viel Wichtiges für mein Magisterarbeitsthema geliefert hat, dann kann eine Zugfahrt von Bonn nach Köln ganz unterhaltsam sein. Er bemitleidete mich, weil ich seine Bücher lesen „muss“, ich bemitleidete ihn, weil er mal eben für 90 Minuten Vortrag von Mannheim nach Bonn fahren musste und wieder zurück. Und am Ende hat er mir angeboten, dass ich ihn ihn gerne anmailen darf, wenn ich Fragen habe. Das nenn ich mal lebendige Wissenschaft…