Liebes Leben – Liebesleben

Ja’ara (Foto: x-verleih)

Dies soll weder eine Lobhuldigung an mein Leben sein noch möchte ich die Suchmaschinen dieser Welt herausfordern … Nein, gestern abend hatte ich das wundervolle Erlebnis, an der Kinopremiere von „Liebesleben“, Romanverfilmung eines ganz außergewöhnlich krassen Films und Maria Schraders Regiedebüt, teilzunehmen. Ich habe das Buch vor ein paar Jahren gelesen, und auch wenn ich nicht so viele Details aus Büchern behalte – beim Gedanken an „Liebesleben“ war immer noch die zerrissene Grundstimmung der jungen Protagonistin Ja’ara präsent, die nicht nachzuvollziehende bedingungslose Hingabe an einen alten Mann und dessen Demütigungen und Distanz. Und ich liebe Maria Schrader, mir wird jedes Mal um’s Herz ganz warm, wenn ich einen ihrer Filme sehe und ihre Stimme höre. Es versprach also, ein netter Abend zu werden.

Die Premiere war wirklich sehr, sehr aufregend. Da führte der rote Teppich ins Cinenova, überall waren große Fernsehkameras und Richtmikrofone, vor denen man sich verstecken musste. Das große Schaulaufen und Blitzlichtgewitter war weniger spektakulär als vermutet – die Fernsehteams nahmen den kompletten Platz davor ein und verständigten sich mit seltsamer Zeichensprache mit den Stars. So schlürften wir Mädels lieber unseren Sekt und sicherten schon mal Plätze im Kinosaal. Der Film selbst sprach in sehr viel schöneren Bildern als sie das Buch vermittelt, hatte aber auch so einige Schockmomente, bei denen man eigentlich schnell wegsehen möchte, weil man sich selbst plötzlich sehr voyeuristisch vorkommt. Der alte Mann, ein alter Freund der Eltern, hat im Film einen ganz eigenen Sex-Appeal, der ihm im Buch gänzlich abgesprochen wird – er ist eben der Prototyp eines Bösewichts, auf den Frauen dann doch immer wieder fliegen: egoistisch, von sich überzeugt und wenig einfühlsam. In einem Punkt wurde Ja’ara dann doch eine von uns: Sie steht kurz vor ihrer Magisterarbeit und ihre Suche ist ein Stück weit auch Ablenkung von dem, worauf es eben gerade ankommt …

Im Anschluss an den Film kamen die üblichen Lobgesänge, begonnen vom Produzenten, der schnell an Maria Schrader abgab. Hatte ich übrigens schon erwähnt, dass ich Maria Schrader liebe??? Zuckersüß stand sie da oben, eine Mischung aus mädchenhaft und mütterlich, hatte mit Tränen der Freude und Erleichterung zu kämpfen und herzte und kuschelte alle – das Filmteam vom Kölner Dreh, den Produzenten, den Kameramann, zwei der Schauspieler und und und …

Beim Rausgehen schlüpfte dann Maria Schrader vor uns in die Schlange nach draußen. Verhängnisvoll, wie sich herausstellte: Direkt vor dem Ausgang stand nämlich das ZDF und hielt voll drauf. Hmmmm, ich hoffe wir fallen nicht auf, wie wir da grinsend aus dem Bild schleichen. Im Foyer gabs dann noch Getränke und Häppchen, alle Beteiligten waren erleichtert und quasselten durcheinander und wurden albern – wie der Produzent des Films, der aus Versehen in meine Kapuze aschte und dann mit dem Kameramann kichernd versuchte, heimlich das Malheur zu beseitigen. Zum Abschluss bekam dann noch jeder das Buch geschenkt. Und weil ich mich nicht getraut habe, gestern abend Maria Schrader auf die Schulter zu klopfen und zu sagen „Toll gemacht!“, tu ich’s jetzt und hier: Maria Schrader, das ist ein ganz wunderschöner und sehr beeindruckender Film, der dir da gelungen ist.

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