Ommmmm

Als ich nach Köln kam, hatte ich vor, recht bald schon einem Hobby meiner Kindheit nachzugehen. Schließlich ist man ja neu in der Stadt, kennt keinen, braucht Anschluss … und die Frömmigkeit war nach der Junge-Gemeinde-Zeit irgendwie auch auf den Heiligabend in der Kirche und die zerfledderte Konfirmandenbibel im Bücherregal geschrumpft. Deshalb war mein erstes Vorhaben, mir in Köln hier schnell einen Kirchenchor zu suchen und einmal wöchentlich die Stimme zu ölen. Es sollte beim unverwirklichten Vorhaben bleiben…

Irgendwann vor zwei Jahren, noch bevor uns die Magisterarbeits-Phase sämtliches Leben außerhalb Bibliotheken und heimischen Schreibtischen stahl, hatten wir die verrückte Idee, einem Jazzchor beizutreten. Ist es nicht sexy, dem Liebsten mit rauchiger Stimme und einem Lied auf den Lippen „Guten Morgen“ zu sagen – oder ist es nicht rührend, wenn eine Mama ihrem kleinen Zuckerpüppchen mit einem „Häschen in der Grube“ ein seliges Lächeln ins Gesicht zu zaubern? Das alles macht sich mit den richtigen Tönen natürlich viel besser als mit schiefem Gekrächze. Nun, das „Guten Morgen“ bei uns erledigt allmorgendlich immer noch der Wecker …

Heute nun sollte mir das Vergnügen ereilen, endlich mal wieder zu singen. Seit letzter Woche versuche ich nämlich wieder einmal, regelmäßig Yoga-Kurse im Fitness-Studio zu besuchen. Ich hätte mich wohl wundern sollen, warum freitagabends nicht mehr die unglaublichen Massen in Badelatschen und Yoga-Matten vor dem Kursraum stehen, sondern das Grüppchen recht überschaubar geworden ist. Aber bis auf etwas meditativere Musik und eine andere Liege-Ordnung war letzte Woche alles wie gewohnt. Inklusive Muskelkater am Tag danach. Aber heute, heute war es nun doch anders. Heute wurden nämlich „Mantras gechantet“. Die beiden ellenlangen Wörter-Silben-Satz-Kombinationen konnte ich mir nicht merken und albern war’s am Anfang auch, als die Trainerin glockenhell losschmetterte und alle irgendwie ein „lalala“ von sich gaben … aber lustig war’s irgendwie doch.

Ich weiß nicht, ob’s am Singen lag oder an komischen Übungen, aber ich kann nicht mehr laufen. Zumindestens kann ich die Knie nicht mehr anwinkeln. Sonst sink ich in mich zusammen wie Pudding. Komisch. Ich bin gespannt, ob das einfach weggeht bis morgen oder sich wieder in einem ausgewachsenen Muskelkater niederschlägt. Aber beim kuscheligen Strohwitwen-Mädchenfilm-Sofa-Abend muss ich eh nirgendwo mehr hin heute.