Good Morning Vietnaaaaaaaam

Da dachte ich immer, ich wäre welterfahren genug, dass mich kein Reisemittel mehr überraschen kann, und nun sitze oder vielmehr liege ich in einem Sleeper-Bus. Drei doppelstöckige Reihen Liegesitze lassen Ferienlagerstimmung aufkommen, und für zwei Stunden Fahrt fühle ich mich irgendwie wie Probeliegen in der Bettenabteilung im Möbelhaus. Sogar die Schuhe muss man am Eingang abgeben. Sehr witzig.

An uns rauschen die Vororte von Hanoi vorbei, die Reisfelder verschwinden im Dunkel des frühen Abends. Anders als in den Vororten anderer südostasiatischer und südamerikanischer Vorstädte fährt man hier nicht durch scheinbar unendliche Blechhüttensiedlungen – in Hanoi ragen zwischen sumpfigen Reisfeldern schmale hohe Wohnhäuser heraus, die ein wenig an Jenga-Türme erinnern. Die Fassaden vermitteln – auch das ist anders als in Bangkok & Co. – noch immer die Eleganz der Kolonialzeit.

Auch ganz anders ist das Wetter. Bei trüben 18 Grad bleiben Sonnencreme und -brille weit unten im Rucksack. Spätestens nach der halben Strecke gen Süden soll es aber wirklich warm und sonnig werden.

Ansonsten ist Hanoi jedoch typisch asiatisch: vollgestopft mit Mopeds, im Straßenverkehr gilt das Gesetz des Schnelleren – alles fährt bzw. läuft munter drauf los und auf wundersame Weise kommt niemand zu Schaden – und an allen Ecken kann man Essen kaufen. Straßenrestaurants und -cafės wirken wie Puppenstuben, man sitzt auf winzigen Höckerchen an winzigen Tischchen. Und damit man auch nie etwas vermisst, begegnet man alle paar Minuten Händlerinnen mit Ananas, Mangos, Jackfrucht, Fettgebäck und anderen Leckereien.

Onkel Ho haben wir in Frieden schlummern lassen (man kann den einbalsamierten Ho Chi Minh in seinem Mausoleum besichtigen), dafür haben wir uns im Militärmuseum die vietnamesische Kampfflieger-Ausbeute aus dem Krieg angeschaut und im Wasserpuppentheater vietnamesisches Kulturgut genossen.

Aber wir wären nicht wir, wenn wir nach dreieinhalb Tagen nicht schon das erste Highlight abhaken könnten. Zwei Tage sind wir mit einer netten Edel-Dschunke durch die mystisch-neblige Ha Long Bucht geschippert – ein sehr beeindruckendes Stück Landschaft Vietnams! Unzählige Kalkfelsen ragen aus dem Meer und lassen die Massenveranstaltung (ich könnte wetten es sind genauso viele Schiffe wie Felsen da draußen) gar nicht als solche erscheinen.

Nun sind wir auf dem Weg zur nächsten Ha Long Bucht – der trockengelegten. Unser Anlaufziel trägt den amüsanten Namen Ninh Binh. Und im Übrigen bin ich mir sicher, dass die vietnamesische Sprache aus dem Spiel heraus entstanden ist, so viele Wortkombinationen wie möglich mit maximal vier Buchstaben zu kreieren.

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Ich blogge wieder

Immer häufiger treffen wir auf unseren Reisen auf Menschen, die Reisetagebuch schreiben. Jedes Erlebnis wird akribisch festgehalten, jede Eintrittskarte eingeklebt, Platzhalter für später entwickelte Fotos gelassen. Solch ein Buch befindet sich auch noch in meinem Besitz, entstanden auf Lanzarote im Jahr 1996, noch mit allerschönster Schulschönschrift. Meine mittlerweile krakeligen Aufzeichnungen enden seit ein paar Jahren meist am dritten Tag, weil mein kleines Notizbuch Krämpfe in der Hand verursacht und ich das Niederschreiben meiner Erlebnisse ob dieser schlicht vergesse. Und weil das Lanzarote-Büchlein in den Untiefen meiner Bücherregale unbemerkt dahin vegetiert.

In den letzten Tagen ertappe ich uns immer wieder bei Sätzen, die mit „Weißt du noch – damals in Thailand/Indonesien/Marokko…“ beginnen. Da erinnere ich mich stets an dieses Tagebuch hier. Und damit diese Weißt-du-noch-Sätze immer vollendet werden können, lebt mein Blog jetzt wieder auf. In Vietnam.