Hue: Hui, die Sonne kommt

Seit der Ankunft in Hue begleitet uns nun allerschönstes Urlaubswetter. Nach einer wirklich sehr erholsamen Nacht im Schlafbus waren wir auch prompt fit für Besichtigungstouren. Keine fünf Minuten im Hotel, schon hatten wir den Guide – nennen wir ihn Huong (wir haben uns seinen Namen nicht gemerkt, aber mit Houng liegt man generell zu 70 bis 80 Prozent richtig) – samt Schwester und Mopeds gebucht.

Hue steht ganz im Zeichen kaiserlicher Geschichte: Sämtliche Generationen residierten in der Stadt, und im beschaulichen, hügeligen und sehr grünen Umland suchte sich jeder Kaiser sein Lieblingsplätzchen für die ewige Ruhe bzw. den noch erlebten Lebensabend. Entstanden sind dabei wunderschöne Parkanlagen – trotz gleicher Gestaltungselemente (eine Wacharmee von Figuren, eine Gedenktafel mit den niedergeschriebenen Heldentafeln, Tempel) hat jede Anlage ihren eigenen Charakter. Der kleinwüchsige Poet mit seinen über 300 Frauen hat sich einen romantischen Park mit großen Wohnanlagen bauen lassen, seine Memoiren höchstselbst formuliert und die Betonwachen seinen Proportionen entsprechend klein gestalten lassen. Der hedonistische, als Marionette der französischen Besatzer bekannte Kaiser der 1920er hat sich eine Mischung aus Versailles und Jugendstilhaus für seine rauschenden Feste errichtet.

Neben drei solcher Grabanlagen stand noch eine Pagode auf dem Programm, bei der wir einen buddhistischen ‚Gottesdienst‘ erleben durften.

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Nach diesem vollgepackten Tag ohne richtiges Frühstück und Mittagessen führten uns unsere hungrigen Mägen zum ersten kulinarischen Fehlgriff unseres Urlaubs. Geblendet von einer sehr hübschen, von Goldfischteichen geschmückten Bar und verlockend klingenden Gerichten auf der Karte, erlebten wir unerwartet eine Überraschung nach der nächsten. Mein Zitronensaft war eine heiße Zitrone mit undefinierbarer Gelee-Einlage und Gewürzen, die nach Apfelstielen und Mottenkugel aussahen. Sämtliche Gerichte bestanden aus einer fleischigen Mischung, die mit einem Zitronengrasstängel wie ein Hühnerbein gestaltet war. Und dann war wohl noch ein kalt gewordenes Tofugericht an den Mann zu bringen, das wir beharrlich statt unserer Bestellung und trotz Verweigerung immer wieder zurück bekamen. Um beim zweiten Abendessen im nächsten Restaurant auf keinen Fall wieder hungrig zu bleiben, gönnte Thomas sich dann erst mal schön Ente und als Nachtisch einen Riesen-Pancake. Bis auf dieses einmalige Ausnahmeerlebnis leben wir hier kulinarisch aber auf ganz ausgezeichnetem Level.

Der zweite Hue-Tag, zwecks Weiterreise nach dem Mittag nur ein halber, war der innerstädtischen Kaiserresidenz gewidmet. Die ‚Verbotene Stadt‘ ist eine Stadt in der Stadt in der Zitadelle, also doppelt mit Mauern geschützt. Von der Anlage sind zum großen Teil nur noch Ruinen und Grundmauern erhalten, da haben Witterung und die Bombardierung durch die Amerikaner ihre Spuren hinterlassen.

Gegen eins war es dann Zeit für den Mittagsschlaf – die lustigen Schlafbusse werden wohl ausnahmslos und auch für kürzere Strecken eingesetzt. Nach Hue und einer vierstündigen Busfahrt stand Hoi An auf dem Programm. Dazu aber demnächst mehr. Zuerst einmal müssen Eindrücke und Einkäufe – Hoi An ist DAS Shoppingparadies schlechthin – verstaut werden.

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